Pegel Dessau sinkt auf 46 Zentimeter
Der Dessauer Elbe-Pegel hat am 7. August 2026 um 6:30 mit 46 Zentimeter seinen tiefsten Stand seit mindestens 25 Jahren erreicht. Danach ging es weiter abwärts: Nur drei Stunden später war der Wasserspiegel um einen weiteren Zentimeter gefallen. In Roßlau erreichte der Pegel mit 27 Zentimetern ein historisches Rekordtief – der niedrigste überhaupt bekannte Wasserstand wurde damit um fünf Zentimeter unterboten.

Damit setzt sich ein Trend fort, der seit 2014 zu beobachten ist: Die Elbe führt immer weniger Wasser – und das über Wochen und Monate hinweg. 2018 wurde zum ersten Mal seit der Jahrtausendwende ein Pegel von weniger als 50 Zentimetern beobachtet, 2025 war das Jahr mit dem niedrigsten durchschnittlichen Pegelstand.
Dürrejahre mit extremen Auswirkungen auf den Wasserhaushalt sind grundsätzlich im Elbegebiet nichts Neues. 1904, 1921 und 2003 mangelte es massiv an Niederschlägen, 1953/54 kam es im Winter zu einem Niedrigwasser, bei dem die Pegel und Durchflussmengen durch zusätzlichen Eisstau auf negative Allzeit-Rekorde fielen. Auch auf Basis der langen Magdeburger Messreihe zählen die 1810er und 1850er Jahre zu den wasserärmsten Jahrzehnten der Elbe. In Magdeburg waren das sogar die Jahre mit den geringsten Wassermengen seit Beginn der Messungen 1727.
Insofern könnte man die gegenwärtige Situation als singuläres Ereignis abtun mit dem Hinweis: Alles schon mal dagewesen – und teils sogar schlimmer.
Eine solche Lesart der Daten ist indes falsch, weil sie zwei wichtige Faktoren außer Acht lässt.
Talsperren dämpfen Niedrigwasser
Erstens: Das Talsperrenmanagement, insbesondere in der Moldau. Die Moldau ist nicht nur der größte Nebenfluss der Elbe, sie führt am Zusammenfluss bei Mělník sogar mehr Wasser als die Elbe. Die erste Staumauer wurde bereits in den 1930er Jahren errichtet, ab den 1950er- und 1960er-Jahren folgten weitere Anlagen – ab 1992 waren schließlich neun Stauseen in Betrieb. Diese Moldaukaskade dient in erster Linie dem Hochwasserschutz Prags und der Energiegewinnung. Sie puffert aber auch laut Bundesanstalt für Gewässerkunde Niedrigwasserstände ab, indem während der Dürreperioden kontinuierlich Wasser aus den Talsperren abgelassen wird. Mit anderen Worten: Ohne Talsperren gäbe es noch weniger Wasser in der Elbe.
Zweitens: Bei früheren Niedrigwasserjahren hat es sich um Einzelereignisse gehandelt. Jetzt hingegen muss man von einer Niedrigwasserperiode reden.
Heftigste Dürre seit 2110 Jahren
Dafür gibt es verschiedene Belege. 2021 untersuchte der unter anderem in Cambridge lehrende Forscher Ulf Büntgen mit Kollegen 147 Eichen aus dem Gebiet von Elbe, Moldau und Oder – sowohl archäologische Überreste als auch lebende Bäume. Anhand der Jahresringe konnten die sommerlichen Niederschläge für die Zeit von 75 vor Christus bis 2018 abgeschätzt werden. Ergebnis: Die Dürrejahre von 2015 bis 2018 bilden eine Periode, die für einen Zeitraum von 2.110 Jahren ohne Beispiel ist.
Die Studie sagt zwar nichts über die Wassermengen in den Flüssen, doch die hängt stark ab von den Niederschlägen. Die Studienautoren unterstreichen, dass sich der Dürreeffekt ab 2015 nicht mit Vulkanismus oder einer veränderten Sonnenaktivität erklären lasse, sondern auf den menschengemachten Klimawandel zurückzuführen ist.
Eine neuere Untersuchung der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe wertet hydrologische Daten bis ins Jahr 2023 aus. Das Ergebnis: Die Dürreperiode besteht fort.
Lediglich 2024 brachte eine kurzfristige Entspannung, 2025 verschärfte sich die Situation nochmals.
Und bislang scheint es, als würde sich 2026 der Trend fortsetzen: Die Elbe führt immer weniger Wasser.
Durchschnittliche Wasserstände am Pegel Dessau
Die Daten basieren auf Abflussjahren (jeweils 1.11. bis 31.10.).
| Abflussjahr | Pegelstand (cm) |
|---|---|
| 2001 | 198 |
| 2002 | 298 |
| 2003 | 232 |
| 2004 | 169 |
| 2005 | 242 |
| 2006 | 231 |
| 2007 | 192 |
| 2008 | 224 |
| 2009 | 213 |
| 2010 | 274 |
| 2011 | 256 |
| 2012 | 207 |
| 2013 | 286 |
| 2014 | 166 |
| 2015 | 164 |
| 2016 | 175 |
| 2017 | 170 |
| 2018 | 158 |
| 2019 | 149 |
| 2020 | 143 |
| 2021 | 211 |
| 2022 | 169 |
| 2023 | 172 |
| 2024 | 231 |
| 2025 | 133 |