Im Betonkanu auf Platz 4
Mit dem Zweier-Canadier „Oskar Schneller" hat das Herrenteam der Hochschule Anhalt bei der 20. Betonkanu-Regatta auf dem Beetzsee bei Brandenburg am Wochenende den vierten Platz erreicht. Die Hochschule Anhalt hat zum ersten Mal an diesem Wettbewerb teilgenommen und wurde dabei von der Junkers Paddelgemeinschaft fachlich, logistisch und mit Trainingsmöglichkeiten unterstützt. Das Damenteam schaffte es ins Halbfinale.
Die beiden Dessauer Boote „Oskar Schneller" und „Walter Bootius" waren von Architekturstudenten im vierten Semester entwickelt worden. Seit Januar hatten sie an Entwicklung und Konstruktion gearbeitet. „Das war knapp", sagte Maurice Kirchhof fünf Tage vor dem Rennen, während das Team noch letzte Arbeiten erledigte.
Die Form des einen Bootes gleicht einem schnellen Wandercanadier – lang, relativ schmal, spitz zulaufend. Das zweite hingegen sieht auf den ersten Blick merkwürdig aus: Die beiden Längshälften des Canadiers wurden nicht am Kiel zusammengefügt, sondern am oberen Rand. Doch genau darin steckte die entscheidende Idee – denn beide Boote nutzen dieselbe Grundform, nur mit unterschiedlich zusammengesetzten Hälften. Diese Lösung wurde mit dem dritten Platz im Konstruktionswettbewerb belohnt. Die Boote seien mit Liebe zum Detail gebaut worden, hieß es bei der Siegerehrung.
Die Grundregel lautet: Die Boote müssen überwiegend aus Beton sein, Auftriebshilfen aus anderen Materialien sind nicht erlaubt – pro Boot dürfen maximal zwei Kilo Kunststoff verbaut werden.
Betonboote als Wegbereiter für Stahlbeton
Die Dessauer ließen die Form vom Roboter aus Styropor fräsen und spachtelten den Rumpf anschließend. Verwendet wurde ein besonders feinporiger Beton mit sehr leichten Zuschlagsstoffen; als Bewehrung diente ein Netz aus Basaltfasern, dem Mörtel wurden zusätzlich Kunststofffasern beigemengt. Das Gewicht der beiden Boote dürfte bei 60 bis 70 Kilo liegen. Prof. Markus Schmidt, der das Projekt betreute, weiß von Booten, die gerade einmal 20 Kilo wiegen. „Aber die lösen sich im Wasser wie Papier auf." So exotisch Betonboote anmuten mögen – bei der Entwicklung von bewehrtem Beton spielten sie eine wichtige Rolle. Mitte des 19. Jahrhunderts konstruierte der Franzose Joseph-Louis Lambot kleine Boote aus mit Drahtgewebe verstärktem Beton und stieß damit eine Entwicklung an, die schließlich den Stahlbeton hervorbrachte.
In den 1960er Jahren begannen US-amerikanische Ingenieurstudenten, die ersten Wettbewerbe mit Betonkanus auszutragen. 1986 fand in Limburg die erste deutsche Regatta statt; seither wurden 17 weitere Wettkämpfe ausgetragen. Mit acht Rennsiegen ist die Universität Twente aus dem niederländischen Enschede bislang das erfolgreichste Team.