direkt zum Inhalt

Lamellen | Pfette | Knoten

Zum Jubiläum Bauhaus Dessau 100 wird vor dem Junkers-Bootshaus in der Freiluftpräsentation „Lamellen | Pfette | Knoten" die abenteuerliche Geschichte eines deutsch-türkischen Gemeinschaftsprojekts erzählt, bei dem Junkers und seine Lamellenhallen eine entscheidende Rolle spielten.

englische Version

Was gut für Dessau war, ließ sich auch exportieren. Als die junge Türkische Republik in den 1920er Jahren eine eigene Luftfahrtindustrie aufbauen wollte, war Junkers zur Stelle. 1925 gründeten beide Seiten gemeinsam die TOMTASCH – die Türkische Flugzeug- und Motoren A.G. – und begannen mit dem Bau einer Flugzeugfabrik aus elf Junkers-Lamellenhallen. Als Standort bestimmte das türkische Militär einen Platz unweit der Stadt Kayseri im zentralanatolischen Hochland, gut 300 Kilometer südöstlich von Ankara. Dort waren Rohstoffe und Arbeitskräfte verfügbar – und die Stadt war ohnehin als Standort für die Rüstungsindustrie vorgesehen.

Kamele statt Lkw

Der Transport war kompliziert: Die Bauteile reisten von Dessau per Schiff bis ins türkische Mersin – drei Wochen Verspätung wegen stürmischer See eingeschlossen. Dort brach der einzige Kran zusammen, alles musste von Hand umgeladen werden. Da Kayseri noch nicht ans Eisenbahnnetz angeschlossen war, endete die Bahnreise durch das Taurusgebirge nach 150 Kilometern im kleinen Ort Ulukışla. Die restlichen 200 Kilometer bis zur Baustelle legten schließlich Kamele und Maultiere zurück – zuverlässiger als die vier verfügbaren Kleinlastwagen, die auf der aufgeweichten Piste nicht vorankamen. Den Widrigkeiten zum Trotz stand die erste Halle binnen weniger Wochen.

Damit war das Projekt aber fast schon beendet. Die deutsche Seite hielt ihr Versprechen nicht, Türken zu Flugzeug-Experten auszubilden. Die Türkei wiederum fürchtete eine Verstaatlichung von Junkers und kaufte weiterhin lieber Flugzeuge in Frankreich. Überdies erwiesen sich die Hallen als zu schmal für neuere Flugzeugtypen mit größeren Spannweiten. 1928 war das Kapital aufgebraucht, und die TOMTASCH ging in Konkurs.

Die Hallen aber stehen noch heute – als Teil eines modernen Flugzeugwartungszentrums und als Geschichtsort der türkischen Luftfahrt.